Vereinschronik

Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Deutschland kein nationales Staatengebilde, sondern lediglich ein geografischer Begriff. In dieser Zeit entstand ein Ringen um Einheit. Die Pflege des unter dem Einfluss der Romantik wiederentdeckten Volksliedes war in der Zeit der politischen Wirren vielfach ein Vorwand für die Zusammenkünfte gleichgesinnter Männer. So entstanden überall Männerchore, die sich dem deutschen Lied widmeten und damit auch dem Einheits- und Freiheitsgedanken zum Durchbruch verhalfen. Als besonderes Beispiel sei der im Jahre 1809 von Karl Friedrich Zelter (1758-1832) in Berlin gegründete Chor genannt. Wenig später wurden auch im süddeutschen Raum die ersten Männerchöre ins Leben gerufen.

So traten auch in der Gemeinde Weisenheim am Sand auf Anregung des Herrn Lehrer Stempel etwa 30 freigesinnte Männer zusammen und gründeten am 12. Januar 1846, dem 100. Geburtstag Pestalozzis, im Saale des Gasthauses "Zum Adler" einen Männergesangverein mit dem Namen Liedertafel Weisenheim am Sand (Liedertafel: Namen des von Karl Friedrich Zelter 1809 in Berlin gegründeten Männergesangvereins, man singt Lieder und tafelt in geschlossener Runde) mit dem Zweck, den deutschen Volksliedern und patriotischen Gesängen bei der hiesigen Bevölkerung Eingang zu verschaffen und durch sie die sogenannten Gassenhauer allmählich zu verdrängen. Der junge Verein hatte viele Anfechtungen und Feindseligkeiten zu erdulden und war von der damaligen Gemeindeverwaltung nicht gerne gesehen. Man besuchte mit großem Eifer die Übungsstunden und der aktive und passive Mitgliederstand wuchs rasch. Im Jahre 1848 wurde eine Fahne, das Symbol der Zusammengehörigkeit, angeschafft. Der Preis betrug 71 Gulden, wovon 40 Gulden von Frauen und Jungfrauen gestiftet wurden. Entsprechend der unter den Mitgliedern herrschenden Begeisterung wählte man die Farben schwarz, rot, gold. Im Mai 1848 sollte die Fahne festlich geweiht werden. Da kamen die politischen Wirren und Unruhen und die Farben der Fahne galten als Zeichen der Freischaren. Um nicht Unannehmlichkeiten ausgesetzt zu werden, wurde die Weihe unterlassen. Die Gesangsübungsstunden wurden durch Herrn Lehrer Stempel wieder eingestellt, da die Liedertafel, wie so viele Gesangvereine, während der Revolutionszeit politisch anrüchig geworden waren. Als wieder Ruhe eingekehrt war, wurde mehrmals der Versuch gemacht, die Vereinstätigkeit wieder aufzunehmen, aber die damals bestehenden örtlichen Verhältnisse ließen es nicht zu.

Im November des Jahres 1861 starb Herr Stempel. Der vorrübergehende Lehrer der Schulstelle, Herr Fischer, ein guter Musiker brachte wieder neues Leben in den Verein. Er wurde durch die Herrn Heinrich Hellwig, Johannes Blum und andere zum zweiten mal gegründet. Der Verein zählte an die 60 Mitglieder. Leider musste Herr Fischer schon im Frühjahr 1862 Weisenheim am Sand verlassen. Die Übungsstunden wurden provisorisch durch Herrn Gottfried Neckerauer, einem musikalisch gebildeten Landwirt von hier, weiter gehalten. Er hatte sich schon bei der Gründung des Vereins verdient gemacht und später lange Jahre hindurch als eifriger Dirigent gewirkt.

Im Spätjahr 1862 übernahm der neuernannte Lehrer Hoffmann die Leitung des Vereins. Schon bei Herrn Neckerauer wurde ein Harmonium gemietet, das man jetzt käuflich Erwarb. Der Verein erstarkte immer mehr. Die Fahne war in einem geheimen Kämmerchen des Johannes Neckerauer im Gasthaus "Krone" verborgen gehalten worden. Verschiedene Erzählungen, als sei dieselbe im Mist oder Schornstein versteckt gewesen oder von Heinrich Lautenschläger tief im Boden vergraben und später von den Preußen gesucht worden, erwiesen sich als nicht stichhaltig. Sei es nun, dass die Fahne während einer Reihe von Jahren schadhaft geworden oder ihre Farben nicht gerne gesehen wurden und besonders bei den Behörden Anstoß erregte, man schritt im Jahre 1863 zur Anschaffung einer neuen Fahne, gestiftet von den Frauen und Jungfrauen, wie aus der Aufschrift hervorging. Die neue Fahne fiel nicht befriedigend aus. Schon bei der Einweihung hatte ihr der Regen stark zugesetzt. Nach einigen Jahren war sie völlig unbrauchbar geworden und man benutzte wieder die alte.

Nun wieder zur Vereinsgeschichte: Herr Hoffmann leitete den Verein bis zum Jahre 1869, in den Ferien unterstützt durch seinen Sohn Jakob. Sein Nachfolger wurde wieder der vorgenannte Herr Gottfried Neckerauer, unter dem sich der Verein am 17. Mai 1869 mit Anerkennung an dem Gausängerfest in Dürkheim beteiligte und der den Verein ununterbrochen leitete bis ins Jahre 1875. Der Tod seiner Frau hielt ihn einige Jahre ab. Während dieser Zeit dirigierte Herr Lehrer Hoffmann wieder. Dann leitete Gottfried Neckerauer den Verein bis zum Jahre 1885, gab ihn aber ab an Herr Lehrer Emling, dessen Nachfolger im Jahre 1890 Herr Lehrer Ludwig Dreher wurde.

Bis zum Jahre 1869 waren die Übungsstunden im Schulhaus. Von da ab wurde dies von dem damaligen Bürgermeister Kullmann nicht mehr geduldet. Es wurde nun ein Übungslokal gemietet, zuerst bei Franz Kullmann, dann bei der Wirtin Frl. Ännchen Kohl, anschließend bei Johannes Frischknecht am Obertor und zuletzt wieder bei Franz Kullmann.

Im Jahre 1877 wurde Herr Johannes Neckerauer Bürgermeister, und er gestattete dem Verein wieder das Singen im Schulsaal. Die Tätigkeit des Vereins bestand seither im Einüben von Volksliedern, auch größeren Chören, die in zwei Konzerten (Weihnachten und Mai) zum Vortrag kamen. An Festtagen wurde auch in den Kirchen beider Konfessionen gesungen. Die humoristische Musik wird seit 1891 in Form von komischen Duetten und Terzetten gepflegt. Sie gaben den Stoff zu den beliebten Fastnachtsunterhaltungen. Besonderen Verdienst um den Verein findet durch Ernennung zum Ehrenmitglied Anerkennung. Bis zum Jahre 1890 war der jeweilige Dirigent auch zugleich Vereinsführer. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Liedertafel musikalisch durch einen Dirigenten, administrativ durch einen Vorsitzenden geleitet.

Durch Sparsamkeit gelang es dem Vorstand im Laufe der letzten 7 Jahre die Summe von ca. 1.100,- Mark zusammenzubringen, um im Jahre 1896 das 50. Jubiläum mit Fahnenweihe in würdiger Weise feiern zu können. Die Fahne wurde von der Kunststickerei Allbrecht in Kaiserslautern zum Preis von 700,- Mark (mit allem Zubehör) geliefert und fiel zur großen Zufriedenheit aus. Zugleich wurde zur sorgfältigen Aufbewahrung der Fahne dem Mitglied Schreiner Müller die Anfertigung eines Schrankes mit Glastür zum Preis von 56,- Mark übertragen.

Zum Einweihungsfest und Jubiläum am 31. Mai 1896 wurden 18 Mann der Kapelle des 17. Infanterieregiment Orff für das Festkonzert auf dem Ludwigshain, 10 Mann der Kapelle für den Festball bei Herrn Philipp Neckerauer und für die Festlichkeit am zweiten Tag engagiert. Das Gesamthonorar betrug 246,- Mark. Als Fahnenjunker wurde durch Vorstandsbeschluss Herr Jakob Kohl und als Fahnenjungfrau Frl. Marie Neckerauer, Tochter des 1. Vorstandes bestimmt. Von den hiesigen Vereinen beteiligten sich der Kriegsverein und die Turngemeinschaft. Von auswärts kamen der Gesangverein Freinsheim, die Liedertafel Wachenheim, Concordia Eppstein, Liederkranz Maxdorf, Germania Mutterstadt, Männerchor Lambsheim, Liederkranz Lambsheim, Liederkranz Edigheim und Liederkranz Flomersheim. Als Ehrenjungfrauen nahmen etwa 60 Jungfrauen teil. Allesamt Töchter von Vereinsmitgliedern.

Über die Aufnahme aktiver oder auch passiver Vereinsmitglieder wurde zu jener Zeit noch mit Kugeln abgestimmt. In einer Vorstandssitzung vom 31. Januar 1897 wurde beschlossen, zu diesem Zweck 50 weiße und 50 schwarze Kugeln anzuschaffen. Dieser Abstimmungsmodus wurde bis 1904 praktiziert. Mitglieder, die sich ungebührlich benahmen und sich nicht satzungsgemäß verhielten, wurden sogar aus dem Verein ausgestoßen.

Am 4. Juli 1906 feierte man das 60jährige Stiftungsfest. Außer dem Festkonzert wurde auch ein Ball bei Mitglied Georg Kullmann im Lokal "Zum weißen Roß" abgehalten. Zum Tanz spielte eine Abteilung des königlich bayerischen 5 Feldartillerie-Regimentes mit 20 Mann.

In der Vorstandssitzung vom 19. Januar 1912 wurde der Antrag des Herrn Dirigenten Allbach abgelehnt, der dahinging, einen sogenannten Gemischten Chor zu gründen. Bedenken wurden laut, es könne von anderer Seite dagegen Widerspruch erhoben werden und dem Verein Unannehmlichkeiten entstehen.

Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde der so blühenden Vereinstätigkeit ein jähes Ende gesetzt. Immer zahlreicher erfolgten die Einberufungen der aktiven Mitglieder. Mit Ende des Jahres 1914 war das Häuflein der Zuhausgebliebenen so zusammengeschmolzen, dass ihm jede Kraft zum Weiterleben fehlte. Schweren Herzens musste die Aktivität der Liedertafel eingestellt werden.

Erst im Jahre 1919 wurde allgemein, so auch bei der Liedertafel, die Tätigkeit allmählich wieder aufgenommen. Alles scheiterte noch an der Dirigentenfrage. Ein alter Freund der Liedertafel, Herr Gustav Hundinger, der vor Kriegsausbruch die Dirigentenstelle ehrenamtlich übernommen hatte, war mit schweren Verwundungen in englische Gefangenschaft geraten. Am 27. Juni 1920 wurde mit dem alten Kern von 1914, sowie zahlreichen neuen Mitgliedern offiziell wieder begonnen. Der Beitrag pro Monat wurde damals für Aktive auf 25 Pfennige, für Passive auf 50 Pfennige festgelegt.

Es folgten bald wieder Konzerte, das erste bereits zu Weihnachten mit dem Streichquartett des Pfälzischen Landes-Symphonie-Orchester und der Gesangssolistin Frau König. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1922 fand wieder ein Konzert mit dem Pfälzischen Landes-Symphonie-Orchester statt. Der Preis wurde auf 20.000,- bis 22.000,- Mark festgesetzt, der später aber 35.000,- Mark betrug. Der Eintrittspreis war für nummerierte Plätze 100,- Mark, für nichtnummerierte 60,- Mark.

Im Jahre 1923 wurden keine Beiträge erhoben. Eine Festsetzung von Monatsbeiträgen war unmöglich, da alle Festlegungen schon einige Stunden später über den Haufen geworfen waren, da der Wert des Geldes sich stündlich änderte.

Ende 1924 wurde ein neuer Flügel bei einer Mannheimer Firma zum Preis von 2.000,- Mark erstanden.
Das 80jährige Stiftungsfest wurde vom 3. bis 5. Juli 1926 gefeiert und begann mit einem Festbankett. Es wurde auf dem Ludwigshain gefeiert, und zu diesem Zweck wurde noch einige Tage vor dem Fest durch tatkräftigen Einsatz aktiver und passiver Mitglieder die große, heute noch bestehende Tanzfläche und ein Musik-Pavillon erstellt. Nach dem Weckruf und einem Standkonzert auf dem Obertor wurde es auf das Schönste geschmückte Weisenheim immer lebendiger. Bei herrlichem Wetter trafen allmählich 21 auswärtige Vereine ein. Ein Festzug ging durch die Strassen, wie es auf dem Lande kaum anderswo zu sehen war. Sehr viele, teils sehr kunstvolle Festwagen boten ein herrliches Bild. Diese Jubiläumsfeier, ein Markstein in der Geschichte der Liedertafel, war ein Ereignis für den gesamten Ort.

Die Liedertafel entsandte auch eine Abordnung zum Deutschen Sängerbundesfest 1928 nach Wien. Ferner nahmen ca. 30 Sänger mit der alten Fahne am XI. Deutschen Sängerbundesfest vom 21. - 24. Juli 1932 in Frankfurt am Main teil.

Im Rahmen eines Konzertes am 26. Dezember 1932 wurde der Dirigent, Herr Gustav Hundinger für seine 20jährige Dirigentschaft ausgezeichnet. Diese Ehrung nahm der zweite Vorsitzende des Pfälzischen Sängerbundes, Herr Musikdirektor Max Welker vor.

Wegen Einführung der Gemeinschaftsschule 1937 in unserer Gemeinde, muss der Flügel wegen Platzmangel aus unserem Übungslokal in der Schule entfernt werden. Wir haben uns daher entschlossen, den Nebenraum des Saales "Zum Löwen" von Kaspar Kohl zum Übungsraum zu nehmen. Kaspar Kohl stellte den Raum unentgeltlich zur Verfügung. Den Brand zur Heizung des Raumes stellte der Verein.

An der überwältigenden Kundgebung des Deutschen Liedes, dem XII. Deutschen Sängerbundesfest in Breslau vom 29. Juli -1. August 1937 beteiligten sich fünf Sänger der Liedertafel mit der Vereinsfahne. Wegen der Maul- und Klauenseuche besteht ein allgemeines Verbot von Versammlungen und Veranstaltungen bis zum 10. Januar 1938. Es ist uns daher nicht möglich, unser Weihnachtskonzert abzuhalten. 1938 musste wegen dem völligen Ausfall der Obsternte und der geringen Weinernte der geplante Ausflug unterbleiben. Am 26. Februar sang der Verein zu Gunsten des Winterhilfswerkes des Deutschen Volkes, im südlich des Obertores gelegenen Ortsteil. Jahr für Jahr konnte ersprießliche Liedarbeit geleistet werden. Diese kulturelle Tätigkeit musste bis 1946 eingestellt werden, nachdem am 2. September 1939 der zweite Weltkrieg ausgebrochen war.

Nach einer furchtbaren Niederlage als Ergebnis des totalen Krieges bemühte sich das deutsche Volk, aus den Trümmern heraus, zu einem neuen wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu gelangen. Dieses Bestreben hat sich auch die Liedertafel zu eigen gemacht. Groß und fast unüberwindlich sind die Hindernisse, die sich diesen Anstrengungen entgegenstellen. Wenn der geistige und kulturelle Zusammenbruch, in dem wir uns befinden und der von unvorstellbarem Ausmaß ist, noch einigermaßen gemeistert wird, so verdanken wir dies in erster Linie unseren begeisterten, aktiven Mitgliedern, der rührigen Vereinsleitung sowie dem hochverdienten Dirigenten Herrn Gustav Hundinger. Und so wollen wir es in Zukunft halten wenn es gilt, mit dem völkerverbindenden Lied zur Befriedigung einer gequälten Menschheit beizutragen. Es waren gerade 100 Jahre, dass der Gesangverein Liedertafel in der Wirtschaft "Zum Adler", von 30 Männern mit den Worten "Ewig bleiben treu die Alten, bis das letzte Lied verhallt" gegründet wurde. Drei große Kriege haben sich in dieser Zeit abgespielt. 19 Sänger kehrten nicht mehr heim, außerdem waren einige noch vermisst.

Auf Beschluss der Besatzungsmächte mussten Vereine vor Aufnahme ihrer Tätigkeit neu gegründet werden. Am 21. April 1946 wurde von dem altbewährten Vorstand Michael Weber die Liedertafel neu gegründet. Den Dirigentenstab nahm wieder Gustav Hundinger in die Hand. In all den folgenden Jahren der neuen Vereinsgeschichte blieb die Liedertafel Pfleger des Deutschen Liedes und somit örtlicher Kulturträger.

Die evangelische Kirchengemeinde hat dem Verein zum 22. September 1950 das bisher als Übungslokal benützte Sälchen in der alten Schule in der Schulgasse gekündigt. Als künftiges Lokal wird das Nebenzimmer der Geschwister Blum vorrübergehend bezogen. Da diese Lösung nur als vorübergehend betrachtet werden kann, wird in Erwägung gezogen, ein Sängerheim zu bauen. Die Arbeiten sollen von Mitgliedern ausgeführt werden. Am 18. Oktober 1950 ist die Frage des Unterrichtsraumes gelöst. Im Haus der Geschwister Kraus, früher Wirtschaft "Zum Deutschen Haus" wurde nach eingehender Besichtigung des Saales dieser zur Jahresmiete von 120,- DM gemietet. Da der Raum zu groß ist, wird er in der Mitte durch Einziehen von Rahmen und Einsetzten von Heraklitplatten abgeteilt. Die bei der Frankenthaler Stuhlfabrik Schreiber zum Preis von 10,80 DM pro Stuhl gekauften 80 Stühle sind am 5. Februar 1951 eingetroffen und im Übungslokal aufgestellt worden. Eine lange gewünschte Erleichterung für die Übungsstunden ist damit Wirklichkeit geworden.

Am 14. April 1952 (Ostersonntag) hatte die Liedertafel wohl einen ihrer schönsten Tage in der Geschichte des Vereines zu verzeichnen. An diesem Tage wurden während des Vereinkonzertes der verdiente Chordirigent Gustav Hundinger für 40jährige Dirigententätigkeit und der Liedertafel stets treu verbundene Generalmusikdirektor Max Welker, Heidelberg-Rohrbach, für 50jährige Dirigententätigkeit geehrt. Die Veranstaltung fand in der neu erbauten Markthalle statt, welche uns liebenswürdiger Weise von der Obstmarktvereinigung zur Verfügung gestellt wurde. In rastloser Tätigkeit der Mitglieder wurde die Halle in einem Frau Musika zur Ehre gereichenden Raum verwandelt. Für ca. 2000 Personen wurden Sitzplätze zur Verfügung gestellt. Für die bei dem Konzert zu Ehren der beiden Jubilare mitbeteiligten Brudervereine Chorgemeinschaft Roxheim, Liederkranz Frankenthal und MGV 1856 Mundenheim wurde ein Sängerpodium, das einschließlich der Sänger des Vereines, ca. 300 Sängern Platz bot, geschaffen. Als pünktlich um 15.30 Uhr das Konzert seinen Anfang nahm, war die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. Was nun unter Mitwirkung des Pfalzorchesters mit 55 Mann unter Stabführung der Herren Welker und Hundinger unter Beteiligung der obengenannten Chöre und des Vereinschors dargeboten wurde, war bestgepflegte Chormusik. Namhafte Vertreter von Vereinen aus nah und fern, der Pfälzische Sängerbund und nicht zuletzt der Deutsche Sängerbund ehrten die beiden Jubilare durch Verleihung von Vereinsnadeln, Ehrenmitgliedschaften sowie der goldenen Nadel des Deutschen Sängerbundes. Nicht enden wollender Beifall war am Ende das Konzertes Lohn für Dirigenten, Pfalzorchester und der beteiligten Chöre. Nach Beendigung hielt die frohe Sängerschar bei frohem Gesang, ausgezeichnetem Wein und warmen Würstchen noch etliche Stunden Rast bis Autobusse und Sonderzüge zur Heimfahrt zwangen.

Das Großkonzert im April 1952 hatte einen solchen Nachklang, dass Chorleiter Rudolf Honacker am 21. November 1954 in einer offenen Singstunde im Nebenzimmer der Gaststätte "Pfälzer Hof" zur Gründung eines Gemischten Chores aufrief, was gleich guten Anklang fand. Die Liedertafel konnte nun mit zwei Chören auftreten und das jeweilige Programm abwechslungsreicher gestalten. Chorleiter Rudolf Honacker führte den Gemischten Chor gesanglich auf eine beachtliche, qualitative Höhe.

Da 1946 nach dem tragischen Ausgang des blutigen Krieges kein verlangen bestand, den 100. Geburtstag der Liedertafel festlich zu begehen, nahm man das 110jährige Bestehen zum Anlass, wieder ein großes Festkonzert zu veranstalten. Dasselbe wurde am 6. Mai 1956 unter Stabführung des Dirigenten Herrn Otto Burgey in der hiesigen Obstgroßmarkthalle abgehalten. Das gesamte Pfalzorchester, die Gastchöre Liederkranz Frankenthal, MGV 1856 Mundenheim, Chorgemeinschaft Roxheim und Eintracht Weisenheim am Sand, sowie die eigenen Chöre boten dem Publikum einige genussreiche Stunden. Bei diesem Festkonzert wurde die neue Fahne mit den Farben schwarz, rot, gold geweiht, da die Liedertafel keine Vereinsfahne mehr hatte. Sie wurde bei der Fahnenfabrik Püttmann in Speyer für 900,- DM gefertigt. Hier müssen wir nochmals zurückblenden: Ende März 1945, nachdem fremde Truppen unsere Heimat besetzt hatten, mussten u.a. sämtliche Fahnen, auch Vereinsfahnen, abgeliefert werden. Es ist schade, dass unsere alte historische schwarz, rot, goldne Fahne unter diesen Zwang fiel. Damals mussten auch alle Waffen und Munition abgeliefert werden, die im gleichen Gebäude, dem neueren Rathaus gelagert wurden. Aus heute noch unerklärlichen Gründen brach damals in diesem Gebäude Feuer aus. Die Munition explodierte und der Raum, in dem die Fahnen lagerten, brannte vollkommen aus. Soweit die offizielle Aussage der Besatzungsmächte. In den Jahren 1999 und 2000 wurden alte Fahnen von zwei Weisenheimer Vereinen in den USA entdeckt, die auch mit unseren Fahnen in diesem Raum gelagert waren. Daher müssen wir davon ausgehen, dass unsere Fahnen nicht ein Raub des Feuers geworden sind, sondern sich irgendwo in den USA befinden.

Im Jahre 1922 wurde die Zelter-Plakette für verdiente Gesangvereine, die insbesondere durch 100jähriges Bestehen und durch Verdienste für das Deutsche Chorwesen vom Deutschen Sängerbund als staatliche Anerkennung gestiftet. Sie wurde auch an unseren Gesangverein verliehen. Die außerordentliche Ehrung fand am 15. Mai 1957 in Köln statt, wohin Vorstand Vetter gereist war. Schon oft war in letzter Zeit der Wunsch laut geworden nach einem eigenen Sängerheim. Gegen Ende des Jahres 1965 konnte man diesem Projekt nähertreten, nachdem der zweite Vorsitzende Philipp Dietrich einen Platz zur Verfügung gestellt hatte und die Familie Wilhelm Stork uns Zugang zu diesem Platz gab. Fast alle Arbeiten wurden in Eigenarbeit von aktiven und passiven Mitgliedern geleistet. Die Bauleitung hatte Sangesbruder Kurt Mattheis. Bis zum Beginn der Hauptarbeiten auf dem Felde war der Rohbau fertig. Wenn auch im Sommer die Ausbauarbeiten etwas langsamer gingen, so war man bis zum Spätjahr doch fertig, und am 15. und 16. Oktober 1966 konnte die Einweihung stattfinden. Der Präsident des Pfälzischen Sängerbundes Herr Albert Hoffmann übergab das neue Haus seiner Bestimmung. Am 9. Mai 1971 feierte die Liedertafel ihr 125jähriges Jubiläum mit einem sehr gut organisierten Festkonzert. In der schön geschmückten Obstmarkthalle lief wieder eine glänzend gelungene Veranstaltung über die Bühne. Erster Vorsitzender Osbert Bechtel konnte ca. 1.400 Besucher begrüßen. Kultusminister Dr. Bernhard Vogel hatte die Schirmherrschaft übernommen.

In der Mitgliederversammlung am 10. Mai 1975 konnte der erste Vorsitzende Osbert Bechtel zwei wichtige Ereignisse verkünden. Der Verein ist seit dem 16. April 1974 e.V. und beim Vereinsregister beim Amtsgericht Ludwigshafen eingetragen. Das Sängerheim steht auf eigenem Grund und Boden. Durch Flächenabtretungen von Herrn Otto Uhrig, Frau Irmgard Dietrich und der Eheleute Fritz und Elisabeth Tavernier gingen 2,24 ar in den Besitz der Liedertafel über.

Beim Chorkonzert 130 Jahre Liedertafel am 16. Mai 1976 wurde unserem Verein wieder eine große Ehre zuteil. Herr Landrat Dr. Scherer überreichte der Liedertafel den vom Ministerpräsidenten gestiftete Wappenschild des Landes Rheinland Pfalz. Bürgermeister Frischknecht dankte in seinen Grußworten dem Verein für die Mitarbeit bei den öffentlichen Veranstaltungen. Der Präsident des Pfälzischen Sängerbundes Herr Albert Hoffmann sagte bei seiner Festansprache, dass man heute bei den Vereinen nicht nur das deutsche Volkslied pflege, sondern auch das europäische Liedgut lerne, um den Charakter und die Stilart unserer Nachbarn besser kennen zulernen.

1984 stand das Grundstück nördlich des Sängerheims in der östlichen Ringstrasse zum Verkauf an. Die Liedertafel erwarb davon 117 qm. Auf diesem Gelände steht jetzt die Garage und der Vorplatz wurde dadurch gewonnen.

Im Januar 1992 kaufte der Verein einen neuen Flügel, da das im Jahre 1924 gekaufte Instrument nun endgültig seinen Geist aushauchte. Verschiedene Renovierungen hatten nicht den erhofften Erfolg gebracht. Zum größten Teil wurde die Anschaffung durch Spenden von Mitgliedern ermöglicht. "Musik verbindet die Welt" war das Motto des Frühjahrkonzert am 7. Mai 1994. Zum 40jährigen Jubiläum des Gemischten Chors präsentierte er sich mit einem Liederbogen aus Barock, Romantik und Volksliedern bis zum Yesterday der Beatles. Die Besucher erlebten die Uraufführung des Weisenheimer Liedes von Heinrich Lautenschläger. Der Männerchor entführte u.a. mit russischer Folklore in die Weiten der Taiga und Sibiriens. Dabei bereicherte das Zupforchester Mandolinata 1920 Mannheim das Programm auf das Beste.
21. Januar 1996   Festbankett 150 Jahre GV Liedertafel 1846 e.V. in der Schulaula
04. Mai 1996        Festkonzert in der Gemeindeturnhalle mit Freundschaftssingen (Gastchöre)
26. Oktober 1996Dorfgemeinschaftsabend in der Gemeindeturnhalle
07. Juni 1999        Projektchor Junge Musik -> Modern Music

Im Jahre 2006 feiern wir das Jubiläum zum 160. Geburtstag mit Festkonzert und drei Freundschaftssingen mit 19 Gastchören. Musikalischer Gast war u.a. das Folkwang - Hornquartett.

Neben den gesanglichen und chormusikalischen Höhepunkten innerhalb der Vereinsgeschichte der Liedertafel gab es auch auf geselliger Ebene beglückende Höhepunkte sowie unvergessene Ereignisse und Veranstaltungen.

Am 14. Februar 1899 veranstaltete der Gesangverein Liedertafel 1846 eine "humoristische Abendveranstaltung" im Lokal Jakob Kullmann. Komische Chöre, humoristische Gedichte oder auch kleine Lustspiele bildeten das abendfüllende Programm. Diese Unterhaltungsabende fanden meist in der Wirtschaft Karl Müller, später im Saale des Kaspar Kohl ("Zum Löwen") oder im "Pfälzer Hof" statt. Als Weisenheim mit der Durchführung des Fastnachtsumzuges zur närrischen Hochburg wurde, war auch die Liedertafel Mitinitiator dieses Spektakels. Mit Schautanzgruppen aus dem Verein und mit erstklassigen Tanzkapellen wurde der Liedertafel-Ball am Fastnachtssamstag zum Strassenfeger. Höhepunkte waren auch die in liebevoller und zeitaufwendiger Arbeit gestalteten Umzugswagen, wobei hier sicherlich die MS Wilhelmine 1979 oder der Wiener Fiaker und der Cadillac der 60er Jahre in den späteren Kampagnen besonders erwähnenswert erscheinen. Das Heringsessen am Fastnachtsdienstag blüht gerade in den letzten Jahren durch den Damenstammtisch in närrischer Kostümierung und durch Vorträge aus der Bütt´ regelrecht auf.

Nach der Wiedergründung 1946 wurde im Anschluss an die Weihnachtskonzerte am 26. Dezember ein festlicher Ball durchgeführt. Bis in die heutige Zeit hat die Liedertafel an dieser Balltradition festgehalten, doch wird es sehr schwierig sein, diese fortzuführen.

Die Laienspielgruppe innerhalb des Vereins sorgte in den Jahren 1950 bis 1952 für sehr unterhaltsame Abende.
Auch Jahresausflüge standen schon sehr früh im Jahresprogramm der Liedertafel. Herausragend hierbei die Fahrten mit dem Samba-Express 1950 und 1952 mit jeweils mehr als 300 Teilnehmern. Alljährlich am ersten Samstag des Jahres wird ein großer Wandertag für die ganze Familie veranstaltet. Herrliche Touren an die südliche Weinstasse, in der Nordpfalz, im Odenwald oder in der Westpfalz stießen immer auf große Resonanz. Die Teilnehmerzahl dieses Wanderausfluges mit Rucksackverpflegung und viel Gesang liegt immer bei etwa 100 Personen. Im Rekordjahr 1988 waren wir mit 4 Bussen in Katzweiler. Mehrtagesfahrten werden erst ab 1973 durchgeführt, als man mit einer Tour an den Bodensee einen großen Zuspruch fand. Die Reisen führten ins europäische Ausland, wobei solche Höhepunkte wie die Ungarn-Rundreise, die Nordlandreise, die Fahrt mit dem Bernina- und dem Glacier-Express oder nach Sorrent besondere Erwähnung verdienen. 1986 wurde erstmals eine Flugreise nach Mallorca angeboten.

Auch auf solch traditionelle Veranstaltungen wie das Schlachtfest zum Jahresende oder der Osterbrauch des Eiergecksens, welcher seit Ende der 60er Jahre von der Liedertafel durchgeführt wird, ist der älteste Weisenheimer Verein stolz. Mit enormen Personalaufwand wird die Ausschankstelle am dritten Wochenende im Juni beim Weinfest "Unter den Linden", seit 1981 im Winzerhof der Familie Schubar am Obertor, betrieben. Auf dem Magenfahrplan stand unter anderem schon gegrillte Schweinehaxen, Ochsenbrust mit Meerrettich, Sauerbraten oder Rinderzunge mit Beilagen. Zur Eröffnung gibt es seit Jahren am Freitag Spargel mit Schinken und Pfannkuchen. Anlässlich des 25jährigen Bestehens des Sängerheimes 1991 wurde ein Lampionfest am Samstag nach der Kerwe im Hofe des Sängerheimes ins Leben gerufen. Frische Salate und Gegrilltes fanden so großen Anklang, dass das Lampionfest zu einem festen Termin im Jahreskalender des Vereins wurde.

Seit 2004 betreiben wir, gemeinsam mit dem Gewerbeverein, anlässlich des Festes "Rund um die Quetsch", die Ausschankstelle am Festplatz.

Die Tradition des Maskenballs am Fastnachtssamstag mussten wir, bedingt durch schwache Resonanz, im Jahre 2008 einstellen. Eine Fastnachtsparty mit DJ lockt seit dem jüngeres Publikum zu uns.

Solange es noch Idealisten im Verein gibt, die es verstehen, die Mitglieder für gesellige Stunden zu gewinnen, wird es auch zukünftig sehr wichtig für die Liedertafel sein, an diesen Veranstaltungen festzuhalten. Nicht nur gemeinsames Singen im Chor, sondern auch das gemeinsame Feiern in geselliger Runde, trägt dazu bei, das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Gemeinschaft im Verein zu erhalten, denn...

... bei der Liedertafel ist es schön,
zu der Liedertafel musst Du gehn,
do werd g´sunge, g´feiert unn gelacht,
unn bis mojens enner druffgemacht!

1846 - 1861 Lehrer Stempel
1861 - 1862 Lehrer Fischer
1862 Gottfried Neckerauer
1862 - 1869 Lehrer Hoffmann
1870 - 1875 Gottfried Neckerauer
1875 - 1878 Lehrer Hoffmann
1878 - 1885 Gottfried Neckerauer
1885 - 1890 Lehrer Emling
1890 - 1897 Friedrich Neckerauer
1879 - 1899 Michael Neckerauer
1899 - 1903 Johannes Stork
1903 - 1908 Franz Raab
1908 - 1912 Johannes Stork
1912 - 1914 Michael Weber
1914 - 1920 Johannes Stork
1920 - 1933 Michael Weber
1933 Gustav Hundinger
1933 - 1939 Emil Vetter
1946 - 1950 Michael Weber
1950 - 1958 Emil Vetter
1958 - 1963 Johann Fesser
1964 - 1981 Osbert Bechtel
1981 - 1983 Hermann Stork
1983 - 1987 Armin Neckerauer
ab 1987 Rudolf Stork
1846 - 1861 Lehrer Stempel
1861 - 1862 Lehrer Fischer
1862 Gottfried Neckerauer
1862 - 1869 Lehrer Hoffmann
1870 - 1875 Gottfried Neckerauer
1875 - 1878 Lehrer Hoffmann
1878 - 1885 Gottfried Neckerauer
1885 - 1890 Lehrer Emling
1890 - 1897 Lehrer Ludwig Dreher
1879 - 1901 J. Leonhardt
1901 Lehrer Adrian
1902 - 1909 Lehrer Schörry
1909 - 1910 Herr Schumann
1910 Lehrer Frisch und Lehrer Sauermilch
1911 Lehrer Allbach
1912 Georg Kraus
1912 - 1935 Gustav Hundinger
1935 - 1939 Arnold Klumpf
1946 - 1953 Gustav Hundinger
1953 - 1955 Rudolf Honacker
1955 - 1958 Otto Burgey
1958 - 1959 Lothar Messmer
1960 - 1965 Willi Gehlert
1966 - 1973 Heinz Ludwig Horwedel
1973 - 1991 Willy Pfundmaier (Männerchor)
1973 - 1979 Gregor Horwedel (Gemischter Chor)
1979 - 1989 Thomas Wippel (Gemischter Chor)
1989 - 2001 Karl Finck
1999 - 2003 Karl Finck (Modern Music)
2001 - 2006 Alwin Dinges (Männerchor)
ab 2001 Karla Kronenberger (Gemischter Chor)
2003 - 2012 Horst Haub (Modern Music)
2006 - 2012 Horst Haub (Männerchor)
ab 2012 Karla Kronenberger (alle Chöre)